Samstag, 25. Februar 2012

Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich in Zwickau

Zwickau.- Der Sächsische Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich besuchte heute die Schülerausstellung „Zwangssterilisation und Euthanasie während des Nationalsozialismus“ im Clara-Wieck-Gymnasium. Organisator Dr. Edmund Käbisch erklärt im Folgenden die Hintergründe.
TillichMinisterpräsident Stanislav Tillich (links) und Organisator Dr. Edmund Käbisch (rechts). Daneben Bürgerrechtler Martin Böttger.                                                                                Foto: Alfredo Randazzo

Seit dem Jahr 2004 wird in Zwickau systematisch eine Aufarbeitung, Dokumentation und Aufklärung zu diesem Thema vorgenommen. Zuerst waren es ReligionsschülerInnen des Clara-Wieck-Gymnasiums, die in einem Projekt nach dem regionalen Verbrechen recherchierten, Zeitzeugen befragten, Stätten der Vernichtung aufsuchten, eine Wanderausstellung erstellten, Podiumsdiskussionen mit Zeitzeugen durchführten, eine Gedenktafel errichteten, eine lokale Opferdatei und -dokumentation erstellten und diese den Stadtarchiven übergaben. Ihre Dokumentation brachten sie bei öffentlichen Veranstaltungen „gegen Rechts“ mit ein. Sie haben auch ihr Projekt in andere Klassen, Schulen und Städte unter dem Motto „Schüler werden Lehrer“ getragen. Dort wurde dann ebenfalls begonnen, dieses Verbrechen mit Schülern aufzuarbeiten, zu dokumentieren und öffentlich zu machen. Die Schüler nahmen an bundesweiten Wettbewerben teil und erhielten Auszeichnungen wie Preise.
2007 wurde ich von der Bildungsagentur nicht mehr als Religionslehrer eingesetzt. Somit konnten die Schüler ohne Anleitung an diesem Projekt nicht weiter arbeiten. Es wurde im "Zwickauer Hilfe Zentrum e. V.“ (ZHZ) möglich, eine Dokumentationsstelle als Lehr-, Lern-, Information- und Begegnungsstätte für die Aufarbeitung der beiden Diktaturen des 20. Jahrhundert aufzubauen. In diese Arbeit wurden verschiedene Mitarbeiter wie auch viele ehrenamtliche Helfer mit eingebunden. Sie führten weitere Recherchen in den Archiven durch, so dass die Schülerausstellung mit weiteren Dokumentationstafeln ergänzt wurde und auch an Stätten außerhalb Sachsens gezeigt werden konnte. Weiterhin wurden Opfer-Datenbanken einzelner Regionen erstellt, PowerPoint Vorträge erarbeitet und durchgeführt. Dieses Thema wurde in Form von Seminaren oder Workshops ständig in Schulklassen der Region gebracht. Die Schüler setzten sich mit diesem Verbrechen auseinander und bildeten sich eine Meinung. Es wurden Lehrerweiterbildung angeboten, besondere Lernleistungen von Schülern (BELL) betreut und die Website http://www.euthanasie-ausstellung.de/ erstellt.
Mit Beginn des Jahres 2011 wurde die Arbeit in der Dokumentationsstelle des Vereins eingestellt. Die dort entstandenen Ausstellungen werden nunmehr über verschiedene Projektpartner insbesondere aus der Region weiter der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Jahr 2011 wurde der Arbeitskreis „Bibelausstellung“ Mitglied vom Zwickauer „Bündnis für Demokratie und Toleranz“ und hat sich u.a. auch dieser Thematik angenommen. In diesem Jahr wird das Projekt einer Materialiensammlung für Schulen „Zwangssterilisation und Euthanasie“ (Arbeitstitel) beginnen und der sächsische Freistaat wird finanzielle Unterstützung geben. Herr Ministerpräsident Tillich wird für die Materialiensammlung das Geleitwort schreiben.
Nach all den Jahren kann beobachtet werden: Durch die kontinuierlicher Aufklärungs- und Bildungsarbeit begannen sich besonders junge Menschen eindeutig zu positionieren, nachdem sie sich mit der faschistischen Rassenideologie und ihren Folgen auseinandergesetzt hatten. Ihr Denken, Fühlen und Handeln wurden beeinflusst und verändert. Sie fingen an, sich bewusst und engagiert für die Einhaltung der Menschrechte, der Demokratie und der Toleranz einzusetzen.