Mittwoch, 23. August 2017

Bürgerforum in Meerane - Bürger fragen, Politiker antworten nicht

Podium_MeeraneMeerane/Zwickau.- „Warum sind heute nur fünf der eigentlich sieben Bundestagskandidaten anwesend? Was soll das mit dieser doppelten Staatsbürgerschaft? Sie haben doch auch nur ein Parteibuch und nicht zwei verschiedene. Wieso verkauft die Bundesregierung Waffen an Terroristen, die dann mit eben diesen Waffen unsere Soldaten um Ausland töten?“
Die Bürgerfragestunde am Montag Abend in der Stadthalle Meerane versprach richtig spannend zu werden. Zuvor kamen die fünf Bundestagskandidaten der etablierten Parteien im Podium zu Wort. Die beiden parteilosen Kandidaten Heiko Richter (Listenplatz 18) und Helmut Zagermann (Listenplatz 19) waren nicht eingeladen. Eine befriedigende Begründung konnte der Gastgeber, Meeranes Bürgermeister Lothar Ungerer, dafür nicht liefern. Er habe für diese Veranstaltung nur Kandidaten von Parteien haben wollen, die im Bundestag oder in einem Landesparlament vertreten sind.
Es folgte rund eine Stunde, in der die Kandidaten ihre Wahlprogramme und Standpunkte erläutern durften. Sabine Zimmermann (Foto 2.v.r.) sprach sich für die Einführung einer Millionärssteuer aus. Sie warf dem CDU-Kandidaten Carsten Körber (Foto Mitte) vor, nicht genug für die Rechte von Leiharbeitern zu tun. Hier gebe es nach wie vor zu viel Missbrauch. Körber entgegnete darauf: „Wir haben bereits reagiert“ und versprach Verbesserungen. Jürgen Martens von der FDP (Foto links) kritisierte, dass bei dem Diesel-Gipfel nichts rausgekommen sei. SPD-Mann Mario Pecher (2.v.l.) machte darauf aufmerksam, dass tausende Arbeitskräfte in der Region auf Gedeih und Verderb von VW abhängig sind. Man solle doch auch mal die Auswirkungen in diese Richtung bedenken. Wolfgang Wetzel vom Bündnis 90/Die Grünen (Foto rechts) sprach über soziale Themen wie Menschen in Armut und seine Erfahrungen beim Umgang mit Flüchtlingen. Den Spagat zwischen helfen wollen und deswegen manchmal dem blanken Hass seiner Landsleute ausgesetzt zu sein, bekäme er nur schwer hin.
Gegen 20:10 Uhr musste die Sitzung abgebrochen werden. Ein Zuschauer erlitt während der Veranstaltung einen Herzinfarkt, an dem er kurze Zeit später im Krankenhaus verstarb. Die Antworten auf die eingangs gestellten Fragen blieben die Politiker den Bürgern deshalb schuldig.

Text und Foto: ZPA/Olaf Thalwitzer